Keine Angst vor’m Alleinsein

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Für unsere zweite Episode “Keine Angst vor’m Alleinsein” werfen wir einen Blick auf verschiedene Aspekte der Isolation. Denn: Alleine, aber zufrieden damit zu sein und Einsamkeit sind zwei Paar Schuhe. So fällt es gerade im Moment einigen Menschen leicht, isoliert zu leben, während andere große Probleme mit der Einsamkeit haben.

Wir haben uns mit solchen Menschen unterhalten: Jette, die sich an das Homes Schooling gewöhnen muss, Lieselotte, die während der Corona-Zeit ohne Besuch im Krankenhaus lag, und Fritzi, die uns über Isolation und die durch die Pandemie bedingte Verschärfung in amerikanischen Gefängnissen aufklärt.

Das “Compassion Prison Project”

Unter https://compassionprisonproject.org/ gibt es alle Infos zur Arbeit von Fritzi Horstman und ihrem Team. Fritzi besucht amerikanische Gefängnisse und wendet durch die Methode des “Compassion Trauma Circle” an. Der bewegende Trailer zur passenden Dokumentation zeigt die wichtige Arbeit des Projekts: https://compassionprisonproject.org/

Den Trailer gibt es auf der Webseite und hier: https://www.youtube.com/watch?v=8p4pvPd0SRQ

Unser Interview mit der Gründerin des Projekts Fritzi Horstman: https://www.youtube.com/watch?v=xSUVxxVdWNc

Tipps für die Isolation – und dagegen

Struktur schaffen

Bis die Lage ernst wurde, gingen wir normalen Arbeitsstrukturen nach, einen gewissen Ablauf und bestimmte Routinen. Nach dem Lockdown schwamm man erstmal durch den Tag. Was auf den ersten Blick entspannt wirkt, birgt eine Gefahr: Man fühlt sich ziemlich schnell verloren und merkt, an welchen Ecken es fehlt. Darum ist es hilfreich, den Tag ein bisschen einzuteilen, Etappenziele zu setzen und die einzelnen Abschnitte mit Inhalt zu füllen. Weniger der Inhalt als die Struktur sind entscheidend.

Gefühle zulassen

In unserer letzten Podcastfolge haben wir festgestellt, dass wir bislang vieles als selbstverständlich hingenommen haben. Aber alles, das bislang als gegeben galt, war durch Corona plötzlich wie weggewischt. Zum Social Distancing kommt die Sorge um Ansteckung, um die eigene Gesundheit oder die geliebter Menschen. Man sorgt sich um den Arbeitsplatz, das Studium, den Schulabschluss, man sorgt sich darum, ob die eigenen Kinder durch den Schulausfall oder die Isolation schaden nehmen, man sorgt sich um Menschen, denen es noch viel schlechter geht als uns, und man sorgt sich um so profane Dinge wie Klopapier und Nudeln.

Wenn dann noch der Austausch fehlt und der Kontakt mit anderen Menschen, wird es schnell haarig. Oft ist einfach niemand für eine Umarmung da. Kein Wunder also, wenn die Gefühle vielleicht zwischendurch Überhand nehmen. Die Pandemie zeigt uns ganz tief drinnen, dass wir eben eigentlich gar nichts unter Kontrolle haben. Und sie zeigt uns auch unsere Sterblichkeit. Das zu akzeptieren, ist schon mal ein ganz wichtiger Schritt.

In Kontakt bleiben

Zugegeben, wir alle sind Video-Konferenzen leid. Irgendjemand fliegt immer aus dem Call, der Ton ruckelt permanent und irgendwie dauert alles länger als im direkten Gespräch. Dennoch lohnt es sich, neben den beruflich notwenigen Online-Meeting auch privat auf solche Methoden zurückzugreifen, um in Kontakt zu bleiben. so stellen etwa psychologische Fachleute fest, dass Menschen, die auch vor der aktuellen Isolation schon einsam waren, jetzt erst recht den Kontakt mit anderen schauen. Si gehen davon aus, ihre Kontaktversuche seien unerwünscht. Doch ganz generell und nun noch mal ganz besonders gilt: Zum Telefon greifen, sich bei Mitmenschen zu melden, das ist wichtig und richtig. Wir sitzen alle in diesem Boot, und es gibt keinen Grund, alleine zu rudern.

Verfügbare Freizeitangebote im Netz nutzen

Bevor nun die Freizeitparks, Kneipen und Kinos wieder öffnen, lohnt sich ein Blick auf die vielschichtigen Online-Optionen.

Viele Cafés und Bars bieten digitale Tastings an, von der Praline bis zu Craft Beer. Damit unterstützt man zusätzlich seine Lieblings-Gastronomie und verbringt einen netten Abend mit zuvor frei haus gelieferten Leckereien.

Viele Museen bieten virtuelle Führungen an. Die Online-Rundgänge vom Oldenburger Computer Museum sind beispielsweise sehr zu empfehlen:

https://www.computermuseum-oldenburg.de/

Etwas für andere tun

Was uns gerade alle verbindet, ist eine gewisse Machtlosigkeit. Uns ist da etwas passiert, auf das wir nur bedingt Einfluss nehmen können. Normalität gibt es nur noch relativ, unsere Jobs oder unser Studium können wir nicht wie gewohnt ausführen. Das kann ganz schön lähmen. Was wir aber selbst in die Hand nehmen können, ist Mitgefühl. Anderen Menschen oder Tieren zu helfen ist nach wie vor oder sogar gerade jetzt möglich. Sich für Online-Projekt oder in der Nachbarschaftshilfe engagieren, Briefe schreiben an Menschen, die besonders isoliert sind, kleine Dinge tun, die hilfreich sind. Oder beim nächsten Einkauf eine Extrapackung Nudeln, eine Obstkonserve oder Tierfutter mitnehmen und in die Boxen der Tafeln oder Tierheime werfen. Kleine gute Taten fühlen sich insbesondere in solchen machtlosen Zeiten noch mal extragut an.

Hilfe suchen und annehmen

Eine Vielzahl von Beratungsangeboten über Telefon, Chat, Mail oder per Formular steht uns immer dann zur Verfügung, wenn es uns mal gar nicht gut gehen sollte. Und wir sollten uns nicht davor scheuen, solche externen Hilfen anzunehmen. Angebote wie zum Beispiel die Telefonseelsorge sind rund um die Uhr an jedem Tag im Jahr erreichbar. Das kostet nichts und ist anonym. Die Nummer lautet 0800 111 0 111

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